Israel

Tel Aviv: Modern und lebendig

Tel Aviv Skyline

Tel Aviv ist eine pulsierende Stadt am Mittelmeer. Es ist auch eine Stadt der Gegensätze. Hier treffen Tradition und Moderne aufeinander. Tel Aviv ist eine lebendige Stadt, die sich vom Rest Israels abhebt.

Israel kannte ich bisher nur von den meistens nicht so schönen Bildern aus den Nachrichten. In ein Land zu reisen, in dem es immer wieder zu Konflikten kommt, war irgendwie schon ein etwas mulmiges Gefühl. Trotzdem oder gerade deswegen war ich gespannt auf die Tage in Tel Aviv.

Viel “normaler” als gedacht

Dass Sicherheit eine große Rolle spielt, merkt man bereits bei den intensiven Kontrollen am Flughafen in Deutschland. Hier wird der Koffer bereits vor der Abgabe durchleuchtet. Man selbst absolviert nach dem ersten Sicherheitscheck eine zweite Runde am Gate vor dem Betreten des Flugzeugs. Beim Rückflug wurde mein Koffer zusätzlich noch ausgepackt und auf Sprengstoff untersucht, was eine sehr langwierige Prozedur war. Daher sind hier wirklich drei Stunden vor Abflug nötig, um das Flugzeug zu erreichen.

Was für mich in Israel etwas gewöhnungsbedürftig war: Überall sind Soldaten und Soldatinnen in Uniform und mit Gewehren unterwegs. Oft sind sie zwar nicht im Einsatz, sondern wie man selbst, unterwegs mit Bus oder Bahn. Das erste Mal neben jemanden mit Waffe in einem Zug zu sitzen, war doch ein etwas beklemmendes Gefühl.

Allerdings ist das Leben vor Ort doch viel “normaler” als gedacht und ich habe mich sehr sicher gefühlt. Nachrichtenbilder kommen einem nicht in den Sinn. Tel Aviv wirkt lebendig und ist im Wandel. Es wird sehr viel gebaut: Alte Häuser werden renoviert, teilweise als Boutique-Hotels eröffnet und viele moderne Hochhäuser entstehen. Hier leben nicht nur viele Religionen nebeneinander, sondern es ist auch sehr international.

Ein paar Fakten zu Tel Aviv

Tel Aviv hat rund 400.000 Einwohner. Die Stadt liegt direkt am Mittelmeer und der Stadtstrand kann sich wirklich sehen lassen. Da Hotels nur in der zweiten Reihe bauen durften, sind die Strände öffentlich und beliebte Ausflugsziele für die Einheimischen.

Strand Tel Aviv
Surfer am Stadtstrand
TLV_Strand_Disko

Am Strand steht auch noch die Ruine der ehemaligen Open-Air-Disco und bringt die Nachrichtenbilder zurück ins Bewusstsein. Im sogenannten Dolphinarium hat sich ein Selbstmordattentäter in 2001 in die Luft gesprengt und 21 Menschen in den Tod gerissen.

Wie schon erwähnt ist Tel Aviv sehr international. Ein Grund ist zum Beispiel, dass Juden aus aller Welt jederzeit zurück nach Israel kommen können, auch wenn Sie in anderen Ländern geboren wurden.

Am Schabbat, dem jüdischen Ruhetag, steht das Leben in Israel still. Mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend ist für 24 Stunden jegliche Arbeit verboten. Neben geschlossenen Geschäften steht auch der öffentliche Nahverkehr still. An diesem Abend findet das gemeinsame Abendessen statt. Schalter dürfen nicht bedient werden, wodurch auch kein Handy benutzt werden darf. Das bedeutet auch, dass am Schabbat nicht gekocht werden darf. Deshalb gibt es Speisen, die bei niedriger Temperatur im Ofen bleiben können und dann im Laufe des Samstags auf den Tisch kommen. Ein Beispiel ist dieses Brot – allerdings weiß ich den Namen nicht mehr:
Schabbat-Mahlzeit

In Tel Aviv ist das Ganze etwas lockerer. Hier fahren am Schabbat zum Beispiel die sogenannten Sheruts. Das sind kleine Autobusse, die quer durch die Stadt fahren.

Tel Aviv ist eine ziemlich grüne und außerordentlich tierliebe Stadt. Gefühlt hat jede dritte Person einen Hund dabei. Noch nie habe ich so viele Katzen gesehen – für einen Katzenfan wie mich schon ein kleines Paradies. Die meisten Straßenkatzen sind sehr gut genährt und liegen richtig entspannt in den Vorgärten der Häuser.
Katzen in Tel Aviv

Der Rothschild-Boulevard

Rothschild_BlvdDer Rothschild-Boulevard zieht sich wie ein grüner Streifen durch das Zentrum. Zahlreiche Cafés und Restaurants sind hier zu finden. Auf dem Boulevard ist einiges los – hier wird flaniert und relaxt. Mit einem leckeren Coffee-to-go in der Nachmittagssonne ließ sich das ganz gut aushalten. Auch die Sonnenbrille hatte damit bereits im Februar ihren ersten Einsatz. Schlendert man das Boulevard entlang, kommt man an vielen modernen Hochhäusern und schönen Altbauten – teilweise schon renoviert, teilweise etwas verfallen – vorbei.

Rothschild Haus

An den Rothschild-Boulevard schließt sich der Stadtteil Neve Tzedek an. Das sind enge Straßen mit vielen kleinen Läden. Darunter eine der besten Eisfilialen: Anitas Ice Cream – da kann man gar nicht vorbeigehen… In der Shabazi Street gibt es ganz viele Dekogeschäfte und Schmuckläden, in denen ich sicherlich einige Stunden verbracht habe.

Shabazi Shop
Shabazi_Haus
Neben den vielen tollen Cafés, Restaurants und Geschäften kommen Streetart-Fans auf ihre Kosten.
Shabazi_Street

Der alte Bahnhof HaTachana

Etwas touristischer wird es am alten Bahnhof HaTachana, der in unmittelbarer Nähe zum Strand liegt. Hier sind früher die Züge nach Jerusalem gestartet.
train stop
Heute ist der Bahnhof schön renoviert und beherbergt Cafés, Restaurants und Geschäfte. Mein Lieblingsladen war der AHAVA–Shop. Hier gibt es lauter gut duftende Cremes & Co mit Mineralien aus dem Toten Meer.

Die weiße Stadt

Tel Aviv ist die Stadt mit den meisten Bauhaus-Gebäuden weltweit. Mit rund 4000 Häusern gehört die sogenannte weiße Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auf einer Stadtführung wurde erklärt, dass zum Beispiel die Schlitze an diesen Balkonen mehr als nur Dekoration sind. Gerade an heißen Tagen verhindern die Schlitze, dass sich die Hitze staut.
Bauhaus

Um den Dizengoff-Platz sind sehr schöne Bauhaus-Gebäude zu finden. Ein Beispiel ist das Hotel Cinema.
Hotel-CinemaDieser Platz wurde nach der Frau des ersten Bürgermeisters von Tel Aviv benannt. In den 70er Jahren wurde dieser Platz umgebaut. Heute steht hier ein Einkaufszentrum und ein großer, bunter Brunnen in der sogennannten Op-Art. Geht man einmal um den Brunnen herum, verändert er ständig seine Farbe.
Dizengoff Square

Tel Aviv von 1900 bis heute

Zunächst gab es nur Jaffa, was heute die Altstadt Tel Avivs ist. Das heutige Tel Aviv entstand erst um 1900 und wurde strategisch geplant. Einen guten Überblick über die Geschichte von Tel Aviv gibt die kostenlose Ausstellung im Shalom-Tower. Mich hat sehr beeindruckt, dass das heutige Tel Aviv in sehr kurzer Zeit entstanden ist. Unser Stadtführer hat uns zum Beispiel Bilder vom Rothschild-Boulevard gezeigt. Auf den ersten Aufnahmen saßen ein paar Menschen auf einem Acker zusammen. Zwanzig Jahre später war diese mächtige Straße schon mit ihren Gebäuden zu erkennen. Früher hatten die meisten Häuser noch einen Garten. Mittlerweile sind die Gärten verschwunden und mehr Gebäude errichtet worden.

Auch die Stadtplanung war wirklich organisiert: Das Zentrum von Tel Aviv wurde in Rechtecken angelegt. Dadurch gibt es heute nur wenige große Straßen. Eine dieser großen Straßen ist das Rothschild-Boulevard, dass sich als Grünstreifen durch die Innenstadt zieht. Damit es in den Wohngegenden möglichst ruhig ist, sind die Seitenstraßen des Boulevards meistens Einbahnstraßen. Abseits der großen Straßen sollten kleine Gemeinschaften entstehen. Es war das Ziel der Stadtplaner, eine Anonymität in der Großstadt zu verhindern.

Dabei sollten öffentliche Plätzen das Miteinander fördern. Ein Beispiel dafür ist der Habimah-Platz. Auf der Grünfläche vor dem Theater spielen tagsüber viele Kinder und abends ist es ein beliebter Treffpunkt, um ein Gläschen Wein zu trinken. Außerdem ist das der Ort, an dem die Demonstranten ihre Zelte beim sogenannten Puddingprotest aufgeschlagen haben.
Treffpunkt Rothschild

Tel Aviv im Wandel

In Tel Aviv wird gebaut: Moderne Hochhäuser enstehen, in vielen Straßen gibt es Baustellen und viele alte Häuser werden renoviert. Teilweise steht dabei nur noch die Fassade eines Hauses. In den renovierten Häusern werden Boutique-Hotels eröffnet. Tel Aviv ist im Wandel – das ist deutlich zu spüren!
Rothschild_altes Haus
Rothschild Gebäude

Rund um die Allenby

Es liegen Gewürze in der Luft! Es lohnt sich den trubeligen Carmel Markt zu besuchen. Erdbeeren im Februar – ein Traum! Einen Abstecher zum Shoppen und Bummeln auf die Shenkin Street sollte man auf jeden Fall machen.

Außerdem gibt es in der Tchernikhovski Street den alteingesessen Fotoladen Weissenstein. Hier sind viele Aufnahmen aus den 20er Jahren zu finden. Viele der fotografierten Plätze und Gebäude kann man beim Spaziergang durch die Straßen heute noch wiederentdecken.
Fotoladen Weissenstein

Tel Aviv-Jaffa

In Tel Aviv gibt es sogenannte Free Tours. Das sind Stadtführungen, die am Ende durch ein Trinkgeld bezahlt werden. Ich habe mehrere der Führungen mitgemacht und kann wirklich sagen, dass sie sich lohnen. Sie geben interessante Einblicke in die Geschichte und man entdeckt auch Ecken abseites der typischen Touristenspots. In der Altstadt Jaffa startet die Tour am Clocktower und dann ging es zu Fuß auf Entdeckungsreise.
Jaffa Rundgang

Jaffa ist heute etwas abgeschnitten vom Zentrum. Daher war es ein nicht so beliebter Wohnort. Vor einigen Jahren hat die Stadt begonnen die Ecke wiederzubeleben und hat vielen Künstlern Wohnungen und Ateliers dort angeboten. Heute ist es eine wirklich schöne Ecke mit tollen Altbauten und auch ein aufstrebendes Wohnviertel.

Wieder beim Clocktower angekommen, lohnt sich ein Abstecher in die Seitenstraßen. Hier gibt es einen Markt auf dem es von Kleidung bis Möbel viel zu entdekcen gibt und einige kleine Cafés, die ideal für eine Pause sind.
Jaffa_Kiosk

Zu Fuß zurück in die Innenstadt

Eine weitere Free Tour startet am Clocktower und führt einen aus der Altstadt zurück ins „moderne“ Tel Aviv. In den vielen kleinen Straßen gibt es viel Street Art zu entdecken. In der American Colony sticht ein Holzhaus heraus, da hier Sandstein das typische Baumaterial ist. Siedler aus Maine haben damals das Baumaterial für das Haus mitgebracht. Sie mussten allerdings feststellen, dass das Haus den Witterungen nicht standhält. Das Haus in der 10 Auerbach Street wurde vor einigen Jahren aufwendig renoviert und heute befindet sich in den Räumen ein Museum zur Kolonialzeit.
Jaffa_HaeuserNach diese beiden Touren waren meine Füße wirklich platt und ich war wirklich überwältigt von der ganzen Geschichte, die ich an diesem Tag gehört hatte. Unglaublich viele Nationalitäten und Religionen haben diese Stadt geprägt bzw. prägen sie heute noch und viele “Beweise” lassen sich bei einem Spaziergang durch die Straßen heute noch entdecken.

Florentin – ein wachsender Stadtteil im Süden Tel Avivs

Tel Aviv ist was das Wohnen betrifft eine sehr teure Stadt. Der Stadtteil Florentin gehört zu den aufstrebenden Stadtteilen. Die Ecke Levinsky und Haaliya Street ist ein guter Startpunkt für den Besuch des Levinsky Markts. Hier gibt es viele Stände, die Gewürze und Lebensmittel verkaufen. Der Markt ist zwar kleiner als der Camel Markt, aber dafür duftet es umso intensiver nach einer bunten Mischung an orientalischen Gewürzen.
Tel Aviv_MarktGewuerzmarkt_Tel Aviv

Ein Zwischenstopp im Café Levinsky 41: Das Wort “Café” ist vielleicht etwas irreführend. Eigentlich ist es eher ein Marktstand. Auf kleinem Raum stehen hier viele Gläser mit eingemachten Früchten. Eine ziemlich farbenfrohe Mischung. Genauso farbenfroh und geschmacksintensiv sind die erfrischenden Sodas, die damit zubereitet werden. Dazu werden eingelegte Früchte mit Kräutern kombiniert mit Soda aufgegossen. Super lecker!
Gasos_Cafe
Gasos Soda

Der Hafen von Tel Aviv

Auch der Hafen im Norden von Tel Aviv lädt zum Flanieren ein. Besonders an den Wochenenden ist er mit einer großen Markthalle, Cafés und Restaurants ein beliebtes Ausflugsziel.
Hafen_im_Norden
Hafen_Norden_Halle

Mein Fazit: Was für eine Stadt!

Während der zehn Tage in Tel Aviv kam absolut keine Langeweile auf. Die Stadt hat ungelaublich viel zu bieten und lässt sich sehr gut per Bus und zu Fuß erkunden. Es war das erste Mal, dass ich in ein Land gereist bin, in dem ich die Schrift nicht entziffern kann. Auf jeden Fall eine neue Erfahrung. Mich hat die Lebendigkeit der Stadt begeistert. Ich bin mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck nach Hause gefahren. Fasziniert hat mich die Vielzahl an Religionen, die nicht nur in Tel Aviv, sondern allgemein in Israel zusammenleben. Das war definitiv ein Urlaub, der nachwirkt.
Herz-Hauswand

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